Grüne oder keimende Kartoffeln – noch essbar oder weg damit?
Grüne Stellen und Keime sind Warnzeichen, weil sich dort erhöhte Mengen natürlicher Glykoalkaloide wie α-Solanin und α-Chaconin befinden können. Ob eine Kartoffel noch verwendet werden kann, hängt deshalb nicht allein davon ab, ob irgendwo ein kleiner Keim zu sehen ist, sondern vom Gesamtzustand der Knolle. Eine starre Zentimetergrenze für Keime bietet dafür keine amtlich abgesicherte Entscheidungshilfe.
Kleine, klar begrenzte grüne Stellen oder einzelne Keimansätze können bei einer ansonsten festen und frischen Kartoffel großzügig entfernt werden; anschließend die Kartoffel schälen. Stark ergrünte, stark gekeimte, alte, eingetrocknete oder schrumpelige Kartoffeln gehören dagegen aussortiert. Schmeckt eine Kartoffel oder ein Kartoffelgericht bitter, nicht weiteressen.
Warum grüne Stellen und Keime problematisch sein können
Kartoffeln enthalten natürlicherweise Glykoalkaloide, vor allem α-Solanin und α-Chaconin. Besonders hohe Konzentrationen können sich in der Schale, in Keimen, den sogenannten Augen und in grünen Bereichen befinden. Licht und ungünstige Lagerbedingungen fördern die Bildung dieser Stoffe. Größere aufgenommene Mengen können unter anderem Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall verursachen. Erhitzen macht Glykoalkaloide nicht zuverlässig unschädlich; ein Teil kann beim Kochen in das Wasser übergehen.
Grün, gekeimt oder schrumpelig – so entscheidest du
- Kartoffel zuerst vollständig ansehen und anfassen. Ist sie noch fest und frisch und hat nur eine kleine, klar begrenzte grüne Stelle oder einzelne Keimansätze, können diese nach den Empfehlungen von Bundeszentrum für Ernährung und Verbraucherzentrale NRW großzügig entfernt werden.
- Grüne Bereiche deutlich über die sichtbare Verfärbung hinaus wegschneiden und Keime samt Keimansatz beziehungsweise Auge großzügig herausschneiden.
- Eine auffällige Kartoffel anschließend schälen. Die Schale sollte nur bei frischen, unverletzten und unauffälligen Kartoffeln mitgegessen werden.
- Ist ein großer Teil der Kartoffel grün oder von Keimansätzen betroffen, ist sie stark gekeimt, deutlich geschrumpft, eingetrocknet oder insgesamt alt und unansehnlich, die ganze Knolle aussortieren.
- Schmeckt eine zubereitete Kartoffel oder ein Kartoffelgericht auffällig bitter, nicht weiteressen.
- Das Kochwasser von Kartoffeln nicht für Suppen, Saucen oder andere Gerichte weiterverwenden, da Glykoalkaloide teilweise in das Wasser übergehen können.
Warum es keine verlässliche Zentimeterregel für Keime gibt
Im Alltag kursieren Grenzwerte für die Länge von Kartoffelkeimen. Für die sichere Beurteilung einer einzelnen Kartoffel ist eine solche starre Zentimeterregel jedoch keine amtlich abgesicherte Messmethode. Entscheidend ist der Gesamtzustand: wenige lokale Keimansätze an einer festen, ansonsten unauffälligen Kartoffel sind anders zu bewerten als zahlreiche kräftige Keime an einer weichen, grünen oder bereits schrumpeligen Knolle. Die Empfehlungen sind dabei unterschiedlich streng. Das BfR rät grundsätzlich vom Verzehr alter, eingetrockneter, keimender oder grüner Kartoffeln ab, während BZfE und Verbraucherzentrale NRW bei kleinen lokalen Grünstellen oder Keimansätzen das großzügige Entfernen als Möglichkeit nennen. Wer Zweifel am Zustand einer Kartoffel hat, fährt mit Aussortieren auf der sicheren Seite.
Diese Fehler besser vermeiden
- Nur den sichtbaren Keim abbrechen: Glykoalkaloide können auch im Bereich des Keimansatzes beziehungsweise Auges konzentriert sein. Deshalb großzügig herausschneiden.
- Eine stark grüne Kartoffel einfach dicker schälen: Bei deutlich oder überwiegend ergrünten Knollen ist Aussortieren die sinnvollere Entscheidung.
- Schrumpelige, alte Kartoffeln allein wegen fehlender großer Grünstellen verwenden: Ein deutlich schlechter Gesamtzustand ist ebenfalls ein Warnsignal.
- Auf Kochen oder Backen als Sicherheitsmaßnahme vertrauen: Glykoalkaloide sind hitzestabil und werden beim normalen Garen nicht zuverlässig zerstört.
- Bitteren Geschmack ignorieren: Bitter schmeckende Kartoffeln oder Kartoffelgerichte nicht weiteressen.
- Das Kartoffelkochwasser weiterverwenden: Ein Teil der Glykoalkaloide kann in das Wasser übergehen.
So sieht eine unauffällige Kartoffel aus
- Die Knolle ist fest und nicht deutlich schrumpelig oder eingetrocknet.
- Es sind keine oder höchstens einzelne kleine Keimansätze vorhanden.
- Die Oberfläche zeigt keine großflächige Grünfärbung.
- Nach dem Entfernen lokaler Auffälligkeiten bleibt eine überwiegend feste und unauffällige Knolle übrig.
- Die zubereitete Kartoffel schmeckt nicht bitter.
Bei kleinen Kindern lieber besonders vorsichtig sein
Kinder nehmen bei derselben verzehrten Menge bezogen auf ihr geringeres Körpergewicht mehr Glykoalkaloide auf als Erwachsene. Das BfR empfiehlt deshalb insbesondere für kleine Kinder geschälte Kartoffeln. Bei grünen, keimenden oder anderweitig auffälligen Knollen ist für Kinder eine besonders vorsichtige Auswahl sinnvoll. Für die geplante praktische Entscheidungshilfe von ESSEN & ENDE können frische Kartoffeln, kleine lokale Grünstellen, einzelne Keimansätze sowie deutlich grüne, schrumpelige oder stark gekeimte Knollen optisch gegenübergestellt werden; verdächtige Knollen werden dabei nicht verkostet.
So verhinderst du Grünstellen und starkes Keimen
Kartoffeln möglichst kühl, dunkel, trocken und gut belüftet lagern. Licht begünstigt Grünfärbung und erhöhte Glykoalkaloidgehalte, während zu warme Lagerung das Austreiben fördert. Kontrolliere gelagerte Kartoffeln regelmäßig und verbrauche unauffällige Knollen rechtzeitig, bevor aus zwei kleinen Augen ein Kartoffelwald wird.
Quellen
- Bundesinstitut für Risikobewertung – Fragen und Antworten zu Solanin (Glykoalkaloiden) in KartoffelnBfR-Empfehlungen zu Glykoalkaloiden, grünen und keimenden Kartoffeln, bitterem Geschmack, kleinen Kindern und Kochwasser; veröffentlicht am 23.04.2018, geprüft am 08.09.2026
- Bundeszentrum für Ernährung – Kartoffeln: Gesundheit und UmweltAktuelle Verbraucherinformationen zu Glykoalkaloiden, großzügigem Entfernen grüner Stellen und Keimansätze sowie zum Aussortieren stark grüner, stark keimender oder schrumpeliger Kartoffeln; geprüft am 08.09.2026
- Bundeszentrum für Ernährung – Kartoffeln: Vom Einkauf in die KüchePraktische Einordnung lokaler Grünstellen und Keimansätze sowie Empfehlung, Kartoffeln bei überwiegendem Befall nicht mehr zu verzehren; geprüft am 08.09.2026
- Verbraucherzentrale NRW – Kartoffeln: Sorten, Lagerung und ZubereitungstippsEinordnung kleiner Grünstellen und Keime, Warnhinweise zu alten und stark gekeimten Kartoffeln sowie Hinweise zu Kochwasser, bitterem Geschmack und kleinen Kindern; Stand 09.12.2025, geprüft am 08.09.2026
- Verbraucherzentrale NRW – Natürliche Schadstoffe in LebensmittelnAktuelle Hinweise zu Solanin, grünen Stellen, Keimen, Erhitzen, Kochwasser und besonderer Vorsicht bei jüngeren Kindern; geprüft am 08.09.2026